Die Dienstwagen-Affäre hat im Netz einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Das widerspenstige Luxemburger Völkchen kommentierte und argumentierte an diesem ersten Januar-Wochenende im Internet. Ein Kommentar dazu.
Die Dienstwagen-Affäre hat das Vertauen in die Politik nochmals mächtig ins Wanken gebracht. Zu diesem Schluss kommt man, liest man die Fülle an Leser-Kommentaren, die übers Wochenende auf der Webseite von rtl.lu veröffentlicht wurden. Die neue Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Francine Closener rechtfertigte sich in einem RTL-Beitrag, weshalb sie mit einem Dienstwagen in den Winterurlaub gefahren ist, was eine bis dahin vom Umfang und von der Schnelligkeit her in Luxemburg noch nie gekannte Lawine an Kommentaren im Netz ausgelöst hat.
Gewiss: Vox Populi, Vox Rindvieh! Das Zitat von Bismarck lässt sich immer auf Webforen anwenden. Da wird überwiegend anonym drauf los geschrieben und geschrien und dabei auch schnell aus der Hüfte geschossen. Daher ist die Gefahr eines “Shit-Storms” im Netz wesentlich größer als auf traditionellen Leserbrief-Seiten in den Print-Medien. Und bei einer solchen massiven Schmähkritik wird ab und zu auch wenig sachlich argumentiert.
Was sich aber aus dem riesigen Sturm der Entrüstung ganz klar herauskristallisierten lässt, ist vielleicht die Meinung, dass das, was legal ist, nicht unbedingt legitim und vor allem nicht immer richtig sein muss. Denn auch wenn der Deontologiekodex der Regierung es einer Staatssekretärin erlaubt, den Dienstwagen privat zu nutzen, so muss sie es ja nicht unbedingt tun. Und so hinterlässt die Urlaubsreise mit dem Dienstwagen knapp zwei Wochen nach der Vereidigung der Neu-Staatssekretärin bei vielen Luxemburgern doch einen bitteren Nachgeschmack. Für viele ein Fauxpas angesichts der hohen Erwartungshaltung der Luxemburger in zwei Dingen: Die Sparpolitik der neuen Regierung und ihr neuer Führungsstil.
Was daraus schlussfolgern?
- Erstens: Die Gambia-Koalition ist doch nicht so fest im Sattel, wie man anfangs geglaubt hat.
- Zweitens: Die Luxemburger erwarten sich einiges von dieser neuen Regierung, gerade in Sachen Sparen und Sanierung der Staatsfinanzen.
- Drittens: Die Erwartungshaltung ist aber auch sehr groß in puncto Gerechtigkeit. Sich damit rechtfertigen, ein private Nutzung der Dienstwagen habe es schon immer gegeben, ist in Augen vieler ein sehr schwaches Argument.
- Viertens: Die Leser-Kommentare zeigen, dass der neue Regierungsstil, den sich Bettel und Schneider auf die Fahnen geschrieben haben, so nicht beim Volk ankommen wird.
- Und noch ein Letztes: Wir Luxemburger sind ein sehr widerspenstiges Völkchen. Wir jubeln schnell, und wir meckern auch gerne. Darauf sollte die Regierung achten.