Wer behauptet, Religion sei eine reine Privatsache, der hat wohl diese Woche verpasst nach Berlin zu schauen. Dort hat die wiedergewählte deutsche Bundeskanzlerin eben wieder den Amtseid geschworen „so wahr Gott mir helfe“.
Auch wenn etliche führende Politiker bei ihrem Amtsantritt den Eid vor Gott ablegen oder auf die Bibel schwören, berufen sich nur wenige in ihren politischen Reden auf Kirchenführer. Passiert das dann doch, wie gerade jetzt im Weißen Haus, dann wird man natürlich hellhörig.
Als US-Präsident Barack Obama vor zwei Wochen über die soziale Ungerechtigkeit in seinem Land sprach, zitierte er ganz überraschend Papst Franziskus: „Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte an der Börse Schlagzeilen macht.“ Das Zitat stammt aus dem Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“, der so genannten „Regierungserklärung“ des im Frühjahr gewählten Papstes.
Auch wenn etliche führende Politiker bei ihrem Amtsantritt den Eid vor Gott ablegen oder auf die Bibel schwören, berufen sich nur wenige in ihren politischen Reden auf Kirchenführer. Passiert das dann doch, wie gerade jetzt im Weißen Haus, dann wird man natürlich hellhörig.
Als US-Präsident Barack Obama vor zwei Wochen über die soziale Ungerechtigkeit in seinem Land sprach, zitierte er ganz überraschend Papst Franziskus: „Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte an der Börse Schlagzeilen macht.“ Das Zitat stammt aus dem Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“, der so genannten „Regierungserklärung“ des im Frühjahr gewählten Papstes.
Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass sich Obama über die katholische Kirche äußert. Im Oktober hat er in einem Gespräch mit dem Sender CNBC schon einmal den Pontifex ganz öffentlich gelobt. „Franziskus besitzt eine unglaubliche Bescheidenheit, einen Sinn für Empathie für arme und einfache Menschen. Er ist jemand, der immer zuerst daran denkt, wie er sich Menschen nähern kann (…), er erkennt an erster Stelle das Gute in ihnen (…), er hat menschliche Qualitäten, die ich bewundere.“
Wenn ein Politiker den Papst bewundert und in seinen Reden das wiederholt, was die Kirche predigt, dann überrascht uns das. Warum eigentlich? Vielleicht weil „Religion zu einer nüchternen Sache“ geworden ist, wie es „Die Zeit“ diese Woche in einem Leitartikel geschrieben hat.
Barack Obama und Papst Franziskus – beide beherrschen derzeit die Medien! Das amerikanische „Time-Magazine“ wählte den Kirchenmann aus Rom zur „Person of the Year 2013“. Genau ein Jahr zuvor hatte Obama dieselbe Auszeichnung bekommen. Was den neuen Papst so außergewöhnlich mache, sei die Geschwindigkeit, mit der er die Vorstellungen von Millionen gefesselt habe, die zuvor ihre Hoffnungen in die Kirche aufgegeben hätten, begründete das Magazin seine Wahl.
Papst Franziskus tritt herzlich und bescheiden auf, bringt in der Tat frischen Wind in den Vatikan und schreckt vor Reformen nicht zurück. „Wer bin ich, dass ich urteile?“, fragte der Papst als er überraschend bekannt gab, er wolle Homosexuelle und Geschiedene nicht verurteilen. Für Obama kam dieses Papst-Zitat um etliche Monate zu spät. Er hätte es den unerbittlichen Gegnern seiner Gesundheitsreform an den Kopf werfen können …
Der Politiker und der Kirchenmann. Beide sind unkonventionell, erwecken Hoffnungen, üben Selbstkritik, stehen für einen Wandel, sind Brückenbauer. Daher wohl das riesige Interesse der Medien, daher die Begeisterung der Menschen. Man sieht aber auch: Manchmal ziehen Kirche und Politik dieselben Register. Und sie müssen keineswegs auf Kriegsfuß zueinander stehen oder nüchtern aneinander vorbei leben.