1. dis bonjour au pape! #Rome #vatican #papa #pope #Roma #Papst

     
  2. Tomorrow in #Rome at #Vatican reporting for @wort_lu follow @marcthill

     

  3. Das Krisenrad

    Sankt-Nikolaustag, das Fest der Kinder und ein Fest für die Familie: Mütter und Väter blicken in funkelnde Kinderaugen, nehmen sich heute besonders viel Zeit für ihren Nachwuchs. „Zeit geben“ ist das wertvollste Geschenk, das man Kindern machen kann. Spielsachen kommen auch auf den Gabentisch, hoffentlich aber nur sozial und ethisch korrekte. Also bitte, keine Dinger, die flinke Kinderfinger auf schäbigen Werkbänken im fernen Osten angefertigt haben! Kein greller, giftiger Plastikkram „made in China“!

    Großes Dilemma: Produkte aus China lassen auch unsere allerliebste Cargolux in die Luft steigen. Die Fernost-Route nach Shanghai und Peking ist hart umkämpft und zugleich auch die wichtigste für die Frachtairline, die in einer tiefen Krise steckt. Ja, die liebe Krise! Man wird sie heute am Nikolaustag nicht ganz vergessen können. Der Mann mit Bart ist längst von dannen, das Weihnachtsfest und der Rutsch ins neue Jahr stehen noch bevor und werden wieder gehen, die Krise aber wird bleiben.

    In der Hauptstadt dreht an diesen Tagen neben der „Gëlle Fra“ ein hell erleuchtetes Riesenrad. Selten zuvor steckte Luxemburg in einer solch tiefen Krise, doch noch nie war der „Chrëschtmaart“ dermaßen groß. Flucht in eine Schweinwelt des Merkantilen? Vermutlich! Nach den Festtagen wird das Riesenrad abgetragen, das „Krisenrad“ auf dem „Rëschtmaart“ aber wird weiter drehen.

    Und es dreht auch das Rad der Zeit: Zeit für Rückblick, Zeit für Ausblick! Ein Jahr geht zur Neige, ein neues steht vor der Tür. Was brachte uns 2012? Was wird uns 2013 bringen? Was war uns in den letzten zwölf Monaten wichtig? Und was war uns nicht wichtig genug? Was prägte das Jahr? Was wird zu Geschichte? Was wird man schnell wieder vergessen?

    Aus der Sicht des Journalisten war 2012 ganz klar ein gutes Jahr. Kein Wahljahr, aber dennoch „zwölf Monate, zwölf Brüller“, wie es im Fachjargon der emsigen Medien heißt.

    Die Affären: Ein längst nicht mehr so geheimer Geheimdienst mit geheimen Tonaufnahmen und parlamentarischer Untersuchungskommission, und ein dubioses Stadionprojekt mit ebenfalls mysteriösen Tonaufnahmen, aber ohne parlamentarische Untersuchungskommission.

    Schleck und Schleck, die Helden des Volkes: Absturz des älteren Bruders in den Dopingsumpf, Absturz des jüngeren Bruders auf den harten Asphalt. Und nochmals Sport, diesmal aber mit ausgeliehenen Helden: Chisora und Haye, zwei britische Skandal-Boxer unter Luxemburger Flagge. Man wird sie schnell wieder vergessen …

    Rauchende Colts in der Politik: Viel Rauch um ein Rauchgesetz und um eine Schulreform, die beide stocken. Eine Rentenreform und ein sorgloser Umgang mit ungeborenem Leben.

    Viel Rauch hier, weniger da: Industrieschlote spien 2013 bei weitem weniger Rauch. ArcelorMittal, Guardian Luxguard, Hyosung Wire, Cargolux – Stellenabbau und Werksschließungen.

    Rauch und Schall – die Hochzeit am großherzoglichen Hof. Luxemburg freute sich mit dem Thronfolger und dessen Braut. 2012, ein Jahr mit viel Ecken und Kanten. Doch – wie schon gesagt – das Räderwerk dreht weiter, das „Krisenrad“ leider auch.

    (Source : wort.lu)

     

  4. Geschenke aus der Wüste

    Luxemburg steckt in einer tiefen Krise, und die Zukunft sieht alles andere als rosig aus. Die Organisation für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit hat ein düsteres Bild gemalt, und die Presse schreibt von „Horror-Visionen“ der OECD.

    Die Stahlindustrie, einst Reichtum des Landes, ist Vergangenheit, die Finanzwirtschaft steht auf wackeligen Füßen, und die Wissensgesellschaft wird wohl noch sobald nicht die neue Lokomotive der Luxemburger Wirtschaft sein. Luxemburg droht also wieder zu einem „Gromperegrandduché“ zu werden. Vielleicht will ja die Regierung genau dies verhindern und hat deshalb seine Minister für Wirtschaft und Finanzen nach Katar in die Wüste geschickt und die „Geschenke aus dem Morgenland“ angenommen.

    Nun fliegt das Emirat auf Cargolux und hat zwei Banken unter die Fittiche genommen, BIL und KBL. Da nun aber Cargolux, „eine Perle der Luxemburger Wirtschaft“, rote Zahlen schreibt, werden kritische Stimmen laut, die das blinde Vertrauen der Regierung in die investitionshungrigen Scheichs nicht so einfach billigen wollen.

    Zunächst Erna Hennicot-Schoepges: Ihr politischer Einfluss ist geringer geworden, ihre Stimme aber noch immer präsent: Die frühere Kulturministerin, Kammerpräsidentin und CSV-Vorsitzende hat auf ihrem Blog den Katar-Deal heftig kritisiert. Der mit dem Erbgroßherzog befreundete Herrscher des Katars habe sich unbeliebt gemacht, nachdem er in der einnahmeträchtigen Cargolux durch die Hintertür soviel Einfluss habe gewinnen können, schreibt Frau Hennicot. Nun zittere die Belegschaft, der Standort sei in Gefahr.

    Auch der ehemalige Vorsitzende der Luxemburger Sektion von Amnesty International, Robert Altmann, hat sich zu Wort gemeldet. In einem offenen Brief an die Regierung erinnert er daran, dass heute vor genau einem Jahr, am 16. November 2011, der katarische Dichter Mohammed al-Ajami verhaftet wurde, nachdem dieser den Scheich Hamad Bin Chalifa El Thani, Emir des Katars, in einem Gedicht offen kritisiert hatte. Inzwischen wird dem Dichter Beleidigung des Staatschefs angekreidet.

    Dafür riskiert er, in einem geheimen Justizverfahren zum Tode verurteilt zu werden. Sein Gedicht „Jasmine Poem“ hatte er 2011 während des arabischen Frühlings geschrieben. Zitat: „Wir alle sind ein Tunesien, das einer repressiven Elite gegenüber steht.“ Das ewige Dilemma: Der Spagat zwischen Geschäftemacherei und Menschenrechten, zwischen Realpolitik und Freiheit. Müssen wir wirklich billigen, dass bei unserem Geschäftspartner Katar die Meinungsfreiheit unterdrückt wird?

    Dass der katarische Emir die radikal-islamischen Hamas in Palästina, die in Europa als Terrororganisation eingestuft wird, mit 400 Mio. Euro beschenkt? Dass Katar im Norden Malis – übrigens Zielland der Luxemburger Kooperation – Islamisten und Salafisten unterstützt? Nur damit der finanzkräftige Emir der kränkelnden Luxemburger Wirtschaft unter die Arme greift?

    Haben wir bereits dermaßen unsere Ehre, unsere Selbstachtung verloren, dass wir nicht mehr dazu gewillt sind, andere, bessere Wege zu suchen und vielleicht unsere Probleme selbst zu lösen?

    (Source : wort.lu)

     

  5. Mersch-Nominierung: Robert Goebbels schreibt Protestbrief an Martin Schulz

    (mt) - Da sich der Vorsitzende des EU-Parlaments Martin Schulz an den Präsidenten des Europäischen Rates Herman van Rompuy gewandt hat, um die Ernennung von Yves Mersch in das Direktorium der Europäischen Zentralbank zu verhindern, gefällt dem Luxemburger EU-Abgeordneten Robert Goebbels nicht. In einem Protestschreiben an Martin Schulz erklärt Goebbels, warum dieser Schritt nicht rechtens war.

    Laut Artikel 283 des Lissabon-Vertrags ernennt der Europäische Rat “auf Empfehlung des Rates” den Präsidenten, den Vize-Präsidenten und die weiteren Mitglieder des Direktoriums der Europäischen Zentralbank “mit qualifizierter Mehrheit”, nachdem “hierzu das Europäische Parlament und der Rat des Europäischen Zentralbank” angehört wurden.

    De facto Veto-Recht für das Parlament - das geht nicht!

    Die Meinung des Parlaments ist - so Goebbels - keineswegs bindend für den Europäischen Rat. Trotzdem hat sich der Vorsitzende des Europäischen Parlaments Martin Schulz im Namen der Abgeordneten an Van Rompuy gewandt, um die Ernennung von Mersch zu verhindern.

    Folgte der Europäische Rat nun dieser Empfehlung von Schulz, würde damit dem Europäischen Parlament ein Veto-Recht bei allen zukünftigen Ernennungen im Direktorium der EZB zugestanden. Dies würde wiederum einer Abänderung des Lissabon-Vertrages führen, was nicht rechtens sei, so der Luxemburger Abgeordnete.

    Hier der Brief von Goebbels an Martin Schulz:

    (Source : wort.lu)

     

  6. Katar-Luxemburg: Ehemaliger ai-Präsident zieht Alarmglocke

    (mt) - Der anerkannte Luxemburger Menschenrechtler Robert Altmann, ehemaliger Präsident von Amnesty International Luxemburg, setzt sich kritisch mit den engen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen auseinander, die derzeit das Großherzogtum Luxemburg und das Scheichtum Katar knüpfen.

    Katar fliegt auf Cargolux und hat sich zwei Banken, BIL und KBL, geschnappt. Altmann hinterfragt in einem offenen Brief an die Regierung diese Zweckehe zwischen Katar und Luxemburg.

    Meinungsfreiheit: Dichter riskiert Todesstrafe

    Anlass zu diesem offenen Brief ist der bevorstehende Jahrestag der Festnahme des katarischen Dichters Mohammed al-Ajami. Er wurde am 16. November 2011 verhaftet, nachdem er u.a. in seinem  Gedicht “Jasmine Poem” den Emir Scheich Hamad Bin Chalifa El Thani, Staatschefs des Katars, offen kritisiert hatte.

    Ihm wird nun Beleidigung des Emirs und Anstiftung zur Aufruhr angekreidet, er riskiert in einem geheimen Justizverfahren deswegen zum Tode verurteilt zu werden.

    “Jasmine Poem” hatte der Dichter 2011 im Zuge des arabischen Frühlings geschrieben. “Wir sind alle ein Tunesien gegenüber einer repressiven Elite”, so der Dichter.

    “Pecunia non olet” - so Altmann

    Altmann richtet nun einige Fragen an die politischen Entscheidungsträger Luxemburgs:

    • Hat die Regierung überhaupt schon zur Kenntnis genommen, dass es in Katar keine Meinungsfreiheit gibt?
    • Wie sollte man verstehen, dass die in Katar ansässige Satelliten-TV-Anstalt Al Jazeera die Revolten in Tunesien, Ägypten und Libyen aktiv unterstützt hat, und dass aber in Katar selbst ein Gedicht mit dem Hinweis auf den arabischen Frühling unerwünscht ist?
    • Ist sich die Regierung Luxemburgs bewusst, dass Katar Islamisten im Norden Malis unterstützt, die dort die Sharia anwenden?
    • Wie beurteilt Luxemburg das Geschenk von 400 Millionen Dollar, das der katarische Emir bei seinem Besuch in Gaza an die Hamas -  von der Europäischen Union als Terroristenorganisation eingestuft - gemacht hat?
    • Wenn es stimmt, dass Katar bewaffnete Islamisten und Salafisten unterstützt, müsste die Regierung dann nicht doch die wirklichen Beweggründe der katarischen Investitionspolitik in Luxemburg und die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen Luxemburgs zum Katar hinterfragen?

    Hier der Brief von Robert Altmann!

    (Source : wort.lu)

     

  7. Wer holt den Friedensnobelpreis ab?

    “Who do I call if I want to call Europe?”, fragte einst Henry Kissinger. Welche Nummer muss ich drehen, um mit Europa zu sprechen? Nun stellt sich die Frage abermals. Europa bekommt den Friedensnobelpreis, wer soll nun den Friedenspreis am kommenden 10. Dezember in Oslo abholen? Manuel Barroso, der EU-Kommissionspräsident? Herman van Rompuy, der permanente EU-Ratsvorsitzende? Oder Martin Schulz, der Vorsitzende des europäischen Parlaments?

    Vielleicht müsste man ja auch jene Politiker - auch altgediente - nach Oslo schicken, die maßgeblich und vor allem lange mit Europa beschäftigt waren. Helmut Kohl vielleicht? Oder, warum auch nicht, den dienstältesten Regierungschef in Europa. Das wäre dann der Luxemburger Jean-Claude Juncker.

    Dieser sagte am Freitag im Interview mit Radio DNR, er hoffe dieser Preis werde es den Europäern erlauben, sich mit Europa wieder zu versöhnen. In dem Fall wäre es sogar ein friedensstiftender Friedensnobelpreis!

    (Source : wort.lu)

     

  8. Junge Monarchen

    Ein Interview im großherzoglichen Palais, das kommt nicht alle Tage vor. Eine Prise Protokoll, nicht zuviel aber doch genug, um die Distanz zur fragenden Presse zu wahren, um die Privatsphäre zu schützen, und wohl auch, um das Besondere an diesem Interview zu unterstreichen!

    Ja, bekennen die beiden verliebten jungen Leute, unser Paar ist anders und doch wollen wir sein wie alle Menschen. „Ich möchte meine Einkäufe selbst tätigen“, sagt die künftige Erbgroßherzogin Stéphanie. Guillaume und Stéphanie wollen ihre Partnerschaft auf festen Fundamenten aufbauen, und dennoch leben wie alle jungen Leute: Frei! Die Presse fragt: Haben Sie Angst vor den Paparazzi? „Nein, wir haben beide Familien, die kaum im Rampenlicht stehen“, sagt Erbgroßherzog Guillaume und fügt hinzu: „Hand aufs Herz, wir haben in Luxemburg eine Presse, die respektvoll mit unserem Privatleben umgeht, und wir befinden uns auch nicht im Fadenkreuz der internationalen Klatschpresse.“

    Die Monarchie wird heute anders betrachtet als noch vor 50 Jahren. In den kommenden Jahren wird die Dynastie bestimmt nochmals anders beurteilt werden als heute. Dieser kontinuierlicher Wechsel wird die große Herausforderung sein, die das Monarchenpaar meistern muss. Das sei gut so, das motiviere, das erlaube zu modernisieren, ohne aber alles über Bord zu werfen, meint der Erbgroßherzog. Den eigenen Stil suchen und finden!

    (Source : wort.lu)

     

  9. R.I.P. Stahlindustrie

    Die ArcelorMittal-Werke in Florange und Gandrange haben das „Quinquennat“ von Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy regelrecht vergiftet. Nun hat sein sozialistischer Nachfolger im Elysée-Palast Hollande das heiße Eisen geerbt, und auch ihm wird es wohl kaum gelingen, die Hochöfen wieder neu zu entfachen.

    Am Montagvormittag fiel die Nachricht in Paris, und kurz darauf prangte auf einer Webseite in Lothringen der Schriftzug: „Florange: les deux hauts-fourneaux sont morts aujourd'hui à 10h45.“ Die beiden letzten Hochöfen der Region werden also nicht mehr angefeuert. Seit Juni und Oktober 2011 standen sie wegen mangelnder Nachfrage still.

    Es ist ein historischer Moment für Lothringen, da die Schwerindustrie die Region wirtschaftlich, aber auch gesellschaftlich und kulturell geprägt hat. Es ist ein Kapitel Industriegeschichte, das sich nicht so einfach abschließen lässt! Der Abschied von den Hochöfen wird kein einfacher sein. Zur Erinnerung: In Luxemburg verglühte am 27. August 1997 der letzte traditionelle Hochofen in Esch-Belval. Die Landesfahne wehte am letzten Schichttag auf dem Stahlmonstrum…

    Das einzige Gute an der gestrigen Nachricht: In Florange haben die Angestellten nun endlich Gewissheit, während bei uns weiterhin Unklarheit darüber herrscht, was mit zwei anderen ArcelorMittal-Werken geschehen soll. Ein Damokles-Schwert schwebt seit einem Jahr über dem Elektrostahlwerk in Schifflingen und auch über der Walzstraße in Rodange.

    In Florange verlieren nun 629 Arbeitnehmer ihren Job. In Rodange und Schifflingen wurden auch bereits etliche Stellen gestrichen, Arbeitnehmer reklassiert und zu anderen Stahlwerken gelotst. Sollte dort der Abbau weitergehen, dann werden die Arbeitslosen aus Luxemburg erneut die Nachbarregion treffen. Die meisten der Arbeitnehmer sind Grenzgänger.

    ArcelorMittal hat Frankreich 60 Tage zugestanden, um einen Käufer für die Hochöfen und die dazu gehörende Kokerei zu finden. Es wird aber nicht einfach sein, einen Investor aufzutreiben. Wie sollte ein anderer Stahlproduzent in Florange gewinnbringend produzieren, wenn selbst der Branchenprimus es nicht geschafft hat, schwarze Zahlen zu schreiben?

    Lothringen wird einmal mehr ein argwöhnisches Auge auf das (noch) reiche Luxemburg werfen. Hier ist der weltgrößte Stahlproduzent beheimatet. Es ist eine komische Beziehung zwischen Luxemburg und der benachbarten Region, unserem Hinterland für Arbeitskräfte.

    Stahl- und Schwerindustrie geben nach und nach ihre letzten Bastionen bei uns auf. Was bleibt? Böse Zungen behaupten, ArcelorMittal verdiene derzeit in Europa mehr Geld mit stillgelegten als mit produzierenden Stahlwerken. Die CO2-Emissionsrechte, die das Unternehmen nämlich deswegen horten kann, sind wertvolle Geldreserven, die sich bestens verkaufen lassen. Für das Klima mag dieses System Sinn machen, der Stahlarbeiter wird es nicht verstehen. Verrückte Welt!

    Man sagt, die Welt stecke in einer tiefen Krise. Man hofft, dass es einen Ausweg aus der Krise, ja ein Ende für die Krise gibt. Doch ist das wirklich so? Ist dies alles nicht doch einfach nur das Resultat eines auslaufenden Wirtschaftsmodells?

    (Source : wort.lu)

     

  10. Die Öko-Gretchenfrage

    Die „Oekofoire“ feiert am kommenden Wochenende ihr 25. Jubiläum. Anlass genug, eine Bilanz zu ziehen: Zu was wurde diese Messe in 25 Jahren? Die Zahl der Besucher wächst von Jahr zu Jahr an, was bei anderen Verbrauchermessen in den Hallen der LuxExpo längst nicht der Fall ist.

    Sollte dies nun ein Beweis dafür sein, dass das okölogische Gewissen der Luxemburger besonders stark ausgeprägt ist?

    „Bio“ ist in! Es gibt kaum einen Kaufladen ohne Bio-Gemüse, ohne umweltschonendes Waschmittel. „Bio“ kommt auf den Teller, mehr jedenfalls als Biobauern und Biowinzer in Luxemburg anbauen.

    Über den Tellerrand hinweg gelangt das ökologische Gewissen der Luxemburger allerdings weniger. Beim Urlaub achtet kaum jemand auf die CO2-Emissionen, wenn er mit dem Flugzeug reist, und auf den Luxemburger Straßen fahren mehr PS-starke Vierradantriebmodelle als Hybrid- oder Elektro-Fahrzeuge.

    „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust …“ Bio auf dem Teller, Öko für mein Wohlbefinden, nicht aber für das Wohlbefinden der Allgemeinheit!

    Die Veranstalter der „Oekofoire“ haben in einer Umfrage festgestellt, dass sich viele Verbraucher im Wildwuchs der Öko-Labels nicht mehr zurechtfinden. Ab und zu zweifeln Käufer, ob auch alles wirklich „bio“ ist, wo „bio“ draufsteht.

    Man kann eigentlich nur begrüßen, dass Verbraucher angesichts der unendlichen Werbeflut nicht alles schlucken, was ihnen aufgetischt wird. Kräftig in den gesunden Bio-Apfel reinbeißen mag nicht jeder, der im Bioregal seines Supermarktes steht. Da kommen ab und zu Zweifel auf: Sind Bio-Äpfel aus Argentinien noch „bio“, wenn sie in Luxemburg verkauft werden? Ist der CO2-Abdruck eines Nicht-Bio-Apfels aus Luxemburg nicht doch geringer als jener des Bio-Apfels, der per Schiff oder Flugzeug von der Südhalbkugel nach Luxemburg gebracht wurde?

    Verbraucher achten beim Einkauf auch auf die Herkunft ihrer Lebensmittel. Das Vertrauen ist größer in Produkte aus der Nähe. Doch was, wenn nun meine einheimische Bio-Tomate in einem geheizten Treibhaus herangezüchtet wird? Oder mein nichtbiologischer, dafür lokaler Apfel von Herbst bis Frühjahr in einem Kühlhaus schlummert? Ist der nicht vielleicht doch stärker mit Energie behaftet als der Bio-Apfel oder gar Nicht-Bio-Apfel, der im Winter frisch aus der Südhalbkugel kommt?

    Ein anderes Beispiel: Soll ich freilaufende Rinder aus Argentien vorziehen oder Hofhaltungstiere in Luxemburg, die eventuell mit Sojabohnen aus Brasilien gefüttert wurden und für deren Anbau man den Amazonas gerodet hat?

    Bioanbau, Herkunft, saisonales Produkt – die Faktoren häufen sich. Noch komplizierter wird es, wenn man die Wirtschaftsethik miteinfließen lässt: Fairgehandelt oder nicht? Muss es Quinoa aus Peru sein, nur weil die Körner fairgehandelt wurden? Oder sollte ich doch lieber Weizen oder Mais auftischen, den der Landwirt aus der Nähe angebaut hat? Hat nicht auch er mit schwierigen Arbeitsbedingungen zu kämpfen?

    Essen in einer globalen Welt ist kompliziert geworden. Schmecken tut’s hoffentlich!imageimage

    (Source : wort.lu)