Prallgefüllte Mülleimer, Verschwendung und Konsumrausch. Weihnachten ist nicht immer besinnlich. Schlimmer noch: Während die einen aus dem Vollen schöpfen, nagen andere am Hungertuch. Auch im reichen Luxemburg! Die „Banque alimentaire“ verteilt Essenspakete an Hilfsbedürftige und ist irgendwie auch ein Barometer für die Armut in Luxemburg.
„Hier ist unsere Baby-Abteilung“, erklärt Andy Evans und verweist auf einen schmalen Regalflur. Auf beiden Seiten stapeln sich Gläser mit Baby-Nahrung und Dosen mit Milchpulver. „Wir müssen bei der Baby-Nahrung immer auf der Hut sein, da bei diesen Produkten das Verfallsdatum schnell erreicht ist“, erklärt der freiwillige Helfer der „Banque alimentaire“. Auf den Empfängerlisten der Nahrungspakete, die die Lebensmittelbank ausliefert, sind halt auch Neugeborene vermerkt …
Evans ist an diesem Tag der Doyen der Mannschaft. Er kommt aus Südwestengland, hat in Luxemburg gearbeitet, ist inzwischen in Rente und seit mehr als zehn Jahren dabei: „Montags nehmen wir die Lebensmittel in Empfang, dienstags und mittwochs stellen wir die Pakete zusammen und donnerstags und freitags liefern wir aus“, erklärt er die Wochenplanung. „Zum Wochenende haben dann alle Empfänger ihr Nahrungspaket“ der „Banque alimentaire“.
Die „Banque alimentaire“ hat ihr Lager mitten in Bartringen. Das Rote Kreuz hat ihr dort ein Depot zur Verfügung gestellt. Darin werden die Lebensmittel zwischengelagert. Ein halbes Dutzend freiwillige Mitarbeiter finden sich stets vormittags zusammen, um den Lagerbestand zu pflegen und die Pakete für die Notbedürftigen zusammenzustellen.
„Wir kennen die Empfänger nicht“, erklärt Andy Evans. „Wir haben auch keinen Kontakt zu ihnen, wir beschränken uns auf die Beschaffung und das Ausliefern der Produkte. Es ist nicht an uns, zu entscheiden, wer Hilfe braucht und wer nicht. Das tun kirchliche und weltliche Hilfswerke sowie Sozialämter, über die wir die Waren ausliefern.“
Die Hilfsorganisationen erstellen auch die Listen mit den Empfängern. Sind es Familien mit Kindern, oder Einzelpersonen? Verfügen sie über eine Küche, oder nur um einen Warmwassererhitzer? All dies wird vermerkt und bestimmt schließlich die Zusammensetzung des Nahrungspakets. Die Schenkung ist nur als Zusatz gedacht. Man will unter die Arme greifen. Die geschenkten Lebensmittel reichen natürlich nicht aus, um eine Familie in der Woche zu ernähren.
300 Pakete wöchentlich, Tendenz steigend
„Wir stellen wöchentlich 300 Pakete zusammen. Die Zahl hat sich innerhalb von drei Jahren verdoppelt“, sagt Andy Evans. Ob das ein Indiz dafür ist, dass die Armut in Luxemburg zunimmt? „Ja, ich denke schon“, antwortet Andy Evans, „wir interpretieren es jedenfalls so.“
Mit Supermärkten, Lebensmittelherstellern und Restaurants arbeitet die „Banque alimentaire“ zusammen, um die Lagerbesände aufzufüllen. Sammelaktionen finden regelmäßig in Cactus-Läden statt. Da können Kunden für die Lebensmittelbank miteinkaufen, und Cactus vervollständigt spontan das Gekaufte. Pizza Hut stellt der Lebensmittelbank einen Einkaufskredit beim Großhändler „Provençale“ zur Verfügung. Auch gibt es Hilfe aus dem Europäischen Nahrungshilfeprogramm, die komischerweise aber bis vor kurzem noch auf der Kippe stand (siehe Artikel unten links). Für Frischwaren hat die Luxemburger Bank weder das Personal noch die Lagerkapazitäten.Nun steht Weihnachten vor der Tür. Kommt dafür etwas Besonderes ins Paket? „Wir haben Panettone, italienischen Christkuchen, auftreiben können“, freut sich Andy Evans.
